L(i)eben heißt Wachsen



2 Toptipps, wie du Streit vermeidest

Sie: „Jeden Morgen das Gleiche. Ich mach alles, hab die ganze Verantwortung. Kümmer mich um alles und muss dir auch noch sagen, was du mal tun kannst.“ Er: „Das stimmt doch gar nicht.“ Sie: „Ach nein? Was tust du denn von dir aus?“ Er: „Ich hab den Kaffee gemacht.“ Sie: „Ja, weil du morgens Kaffee willst – und ich noch im Bad mit den Kindern beschäftigt bin.“ Er: „Du bist ja auch so drin in deiner Routine. Du willst mich doch da gar nicht.“ Sie: „Du könntest mir trotzdem mehr helfen.“ Er: … schweigt …

Yasmine und Steve sind seit 5 Jahren ein Paar und haben 2 kleine Kinder. Diese Art Gespräche haben sie in letzter Zeit häufiger. Danach ist die Stimmung schlecht. Yasmine hat Tränen in den Augen. Steve schaut bedrückt auf den Boden.

Was ist passiert?

Yasmine ist müde, erschöpft, überfordert von all den Anforderungen des Alltags an eine junge Mutter. Steve arbeitet fleißig und versucht der Familie ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Wenn er nach Hause kommt, bringt er den Einkauf mit. Er spielt mit den Kindern, versorgt sie beim Abendessen mit und liest zum Einschlafen eine Geschichte vor. Auch er ist müde und erschöpft. Yasmine möchte eine gute Mutter sein. Steve ein guter Vater. Zeit als Paar haben die beiden kaum noch. Seit 2 Jahren gab es kein exklusives Wochenende mehr. Im Kino oder in einem Restaurant sind sie schon ewig nicht mehr gewesen.

So geht es vielen Paaren. Doch Gespräche wie diese gehen mit Vorwürfen, schlechten Gefühlen und neuen Verletzungen einher. Und daraus wächst Distanz. Beide fühlen sich nicht mehr gesehen und verstanden. Die Unzufriedenheit steigt. Was folgt ist ein Teufelskreis aus Klagen / Jammern / Meckern auf der einen Seite - und Schweigen / Abwehr und Rückzug auf der anderen Seite. Je mehr der eine fordert oder kritisiert (Angriff), desto mehr geht der andere aus dem Kontakt oder schweigt (Rückzug). Und je mehr sich der eine zurückzieht, um so vehementer fordert der andere ein, legt noch eine Schippe nach, wird lauter.

Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, helfen 2 Notfallbremsen:

1.     Statt deiner:m Partner:in etwas vorzuwerfen, sprich über dein Bedürfnis! Yasmine könnte also sagen: „Ich bin müde und erschöpft. Morgens ist so viel zu tun und die Zeit ist so knapp. Ich schaff das nicht allein. Ich brauch deine Hilfe. Können wir die Aufgaben morgens bitte anders aufteilen?“ Steve würde hierauf ganz anders, entspannter reagieren können.

2.     Wenn zwei streiten, gibt es keinen, der zuhört. Darum versuche folgendes: wenn dein:e Partner:in klagt, wiederhole, was du verstanden hast ohne zu reagieren. Klingt ungewohnt, hat aber eine mächtige Wirkung. Dein Schatz fühlt sich verstanden. Frag nach, wenn du nicht sicher bist. Steve könnte also auf Yasmins Gesprächseinstieg antworten: „Du hast also den Eindruck, dass ganz viel Verantwortung bei dir liegt und fühlst dich allein mit all den Aufgaben. Und du wünscht dir, dass ich auch ohne deine Aufforderung mehr übernehme?“  Hiermit vergibst du dir nichts! Verstehen heißt nicht immer einverstanden zu sein. Sondern erstmal nur, dass du dein Gegenüber verstehst, zuhörst und ernst nimmst.

In beiden Fällen geht das Gespräch anschließend ganz anders weiter. Die Spannung ist raus. Yasmine fühlt sich verstanden. Steve hört in Ruhe, dass Yasmine morgens seine Hilfe braucht. Und so entsteht durch Zuhören und Verstehen wieder mehr Nähe und Verbundenheit. Jetzt ist nicht mehr Steve der „Gegner“, sondern die schwierigen Umstände. Gegen die verbünden sich die beiden. Und suchen gemeinsam nach neuen Wegen.